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KUNST Die sportliche Reiterin vom Starnberger See - Teamwork Münchener Malerschule

von Bettina Krogemann

 

15 Jahre alt war die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, im Volksmund als „Sisi“ bekannt und geliebt, als sie der bayrische Historienmaler Carl Theodor von Piloty und Franz Adam zu Pferd konterfeiten. Es war eine Auftragsarbeit ihrer Familie, die in Possenhofen am Starnberger See im Jahr 1853 entstand. Das Gemälde sollte das Weihnachtsgeschenk der jungen Verlobten an den österreichischen Thronfolger Franz Joseph sein. Dieses Gemälde, das Ende April im Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert wurde, war einem Sammler ein Gebot von 1,54 Millionen Euro wert.

 

Zwei bedeutende Maler ihrer Epoche schufen das Porträt der jungen „Sisi“. Einer von ihnen war Carl Theodor von Piloty, Münchener Historienmaler, der andere der berühmteste Pferde-Maler seiner Epoche, sein Kollege Franz Adam. Adam übernahm die malerische Ausführung des Pferdes, von  Piloty konzentrierte sich auf die junge dynamische Braut vor der Kulisse von Schloss Possenhofen. Das Gemälde entstand im Jahr 1853 und es wurde am Weihnachtsabend dieses Jahres im herzoglichen Palais in München an Franz Joseph übergeben. Dem Adressaten hing dieses Gemälde besonders am Herzen: Er hängte es in sein Schlafzimmer in der Wiener Hofburg. Nach Franz Josephs Tod am 21. November 1916 ging es in den Besitz seiner Nachkommen über.

 

Das Gemälde ist für die Zeit seiner Entstehung außergewöhnlich und es ist davon auszugehen, dass die junge Elisabeth selbst dieses Motiv auswählte. Gerade hatte sie angefangen das Reiten zu lernen und dieser Sport sollte fortan einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben einnehmen. Schlank, trainiert und muskulös wie sie war, dazu ausgestattet mit einem beachtlichen Feingefühl für Pferde, wurde sie schließlich zu einer der besten Reiterinnen Europas.Das Gemälde, das von einem Telefonbieter ersteigert wurde, befindet sich nun in österreichischem Besitz, denn das Denkmalamt hatte vor der Auktion eine Ausfuhrsperre für das wertvolle Kulturgut verhängt. Eine Kopie des Gemäldes befindet sich in der Wiener Hofburg.

 

 

Abbildung: Carl Theodor von Piloty und Franz Adam, „Kaiserin Elisabeth von Österreich als Prinzessin-Braut zu Possenhofen“, 1853. Öl auf Leinwand, 128 x 108 cm. Erzielter Preis € 1.540.000 bei einer Schätzung von 300.000-350.000 Euro. Courtesy: Auktionshaus Dorotheum.