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DESIGN: 'Ettore Sottsass - Rebell und Poet' Ausstellung Vitra Museum Schaudepot Weil am Rhein

 

100 Jahre alt wäre der 1917 in Innsbruck geborene Ettore Sottsass in diesem Jahr geworden. Seine Ausbildung zum Architekten absolvierte er von 1935 bis 1939 am Polytechnikum in Turin und gründete nach dem Zweiten Weltkrieg sein erstes eigenes Studio in Mailand. International tätig, lebte Sottsass vor allem in Italien. Seine Vita ist lebendig, sein Leben war erfüllt von Phantasie und Aktivität: Ab 1958 zog ihn das Weltunternehmen Olivetti als Designberater für die damals neue Elektronikabteilung heran, eine Position, die Sottsass bis 1980 innehatte. 1973 gehörte Sottsass zu den Mitbegründern der Vereinigung ‚Global Tools‘, drei Jahre später war er Mitinitiator des ‚Studio Alchimia‘, in den 1980er-Jahren trat er als Kopf des Design-Kollektivs ‚Memphis‘ auf. Die aktuelle Ausstellung im Schaudepot des Vitra Design Museum zeigt rund 30 exemplarische Möbel und Produkte von Sottsass, dazu Schrifttum und Fotografien, die sein bewegtes Leben und bedeutendes Werk dokumentieren.  

 

Olivetti war in der Epoche des ‚Bel Design‘ für seine enge Zusammenarbeit mit jungen Designern bekannt. Als beratender Designer für Olivetti war Sottsass nicht nur für die funktionale Gestaltung neuer Schreibmaschinen und Computer verantwortlich, er leitete darüber hinaus auch die Abteilung für sogenannte ‚kulturelle Beziehungen‘ und in direkter Absprache mit der Geschäftsleitung die Öffentlichkeitsarbeit des gesamten Unternehmens. Design war seinerzeit nicht allein eine Domäne von Ingenieuren und wenigen forschenden Spezialisten, sondern auch das Terrain von Philosophen, Schriftstellern und Architekten. Als Designer schuf Sottsass für Olivetti seine ersten wichtigen Entwürfe, darunter den Computer ‚Elea‘ im Jahr 1959, zusammen mit Hans von Klier 1964 die Schreibmaschine ‚Praxis‘ und im Jahr 1969 gemeinsam mit Perry A. King die wohl bekannteste Reiseschreibmaschine der Welt, die ‚Valentine‘. Die formschöne, tragbare Reisemaschine ‚Valentine‘ war mechanisch und kam ohne Elektrizität aus. Ihr allergrößter Pluspunkt war der Schubkoffer aus Hartplastik und ihre leuchtende Farbigkeit, die endlich freudiges Leben in die bis dato weiß-graue Schreibtisch- und Office-Welt brachte.

 

 

Im Zenit stand Sottsass in den 1980er-Jahren als seine Möbel für ‚Memphis‘ auf den Markt kamen und mit Furore die Postmoderne manifestierten. Mit ihren Möbeln, Textilien und Keramiken befreite die Mailänder Designergruppe ‚Memphis‘ die nützlichen Künste endgültig vom Stilpostulat des Funktionalismus und ihrer engen Anbindung an die Industrie. Die Entwürfe von Sottsass aus dieser Zeit sind bunt, die Farbgebungen schrill, die Material- und Formkombinationen sehr gewagt. Mit Dekoren und Ornamenten wurde so unakademisch umgegangen wie es nur eben ging und sie wirken entsprechend unbeschwert. Die ‚Memphis‘-Möbel von Sottsass treten dem Betrachter als heterogene, nicht als geschlossenes Prinzip erdachte Gestalten gegenüber. Meist sind sie eine kontrastierende Ansammlung von Formen, Farben und eher poveren Materialien. Wer hätte gedacht, daß Menschen in den 1980er-Jahren gerne mit Möbeln leben, deren Oberflächen mit bunten Laminaten überzogen sind anstatt mit feinen Furnieren aus Edelhölzern? Die Ausstellung im Schaudepot präsentiert auch Möbel aus der Zeit von 1958 bis 1975, die die schrittweise Stilentwicklung von Sottsass bis hin zur radikalen Postmoderne à la ‚Memphis‘ gut nachvollziehbar machen.

 

Die Fotografien aus der Serie ‚Metafore‘ (Metaphern) hat Sottsass in den Jahren von 1972 bis 1979 aufgenommen. Sie erzählen von seinen Experimenten, seiner Suche nach Antworten zu grundsätzlichen Fragen der Gestaltung. Seine Spiritualität und das Studium archaischer Kulturen haben ihm augenscheinlich geholfen, Antworten auf diese Fragen zu finden, wie eine Gegenüberstellung der ‚Metaphore‘-Fotografien mit seinen Objekten für ‚Alchimia‘ und ‚Memphis‘, ja sogar für Olivetti nachvollziehbar werden läßt.  

 

Die Ausstellung ‚Ettore Sottsass – Rebell und Poet‘ wurde von Heng Zhi kuratiert.

Sie ist noch bis zum 24. September 2017 im Vitra Schaudepot, Charles-Eames-Straße 2,

D-79576 Weil am Rhein, zu sehen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.design-museum.de