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KUNST: Stippvisite in der 'Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg'

Kultur Passage im Gespräch mit dem Bonner Künstler Uwe Castens

 

Gemälde von Uwe Castens: "Hütte", 2017. Acryl auf Baumwolle. 70 x 100 cm. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

 

Salzburg! Das ist ein ganzjähriger Magnet für Kunst- und Musikliebhaber, für Gäste aus aller Welt. Im Jahr 2016 bilanzierte die Stadt über 1,6 Millionen Ankünfte und mehr als 2,8 Millionen Übernachtungen - Tendenz steigend. Mitten im Sommer, im Juli und August, zieht es neben den Touristenscharen eine überschaubare Gruppe von Individualisten in die Mozartstadt, dies, um hier zu arbeiten. Es sind Künstler aus aller Herren Länder, die für einige Wochen abseits des Trubels hoch auf der Festung Hohensalzburg im sogenannten „Arbeitshaus“ ihre Ateliers beziehen. Zu diesen Künstlern gehört der in Bonn und Köln lebende und arbeitende Physiker und Softwaretester Uwe Castens. Eine Stippvisite in Salzburg und ein Gespräch mit Castens geben Aufschluss über das Studium an der berühmten „Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg“. Castens ist in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal Gast der Sommerakademie und hat einen reichen Erfahrungsschatz.  

 

 

Kultur Passage: Warum gehen Sie so gerne an die Salzburger Sommerakademie?

Castens: Mir gefallen die Dozenten hier sehr gut und die Pädagogik. Die Dozenten gehen sehr genau auf den aktuellen individuellen Stand der Studenten ein und so entstehen gelungene didaktische Zielsetzungen. Dann finde ich auch die Kursdauer von bis zu drei Wochen optimal, um sich über das Kunstschaffen mit einem bestimmten Thema intensiver zu beschäftigen. Unsere Arbeit wird immer mit einem Theorieanteil kombiniert. Dazu gefällt mir die Atmosphäre der Akademie, die großzügig gestalteten Arbeitsmöglichkeiten und die umfangreiche technische Unterstützung bei künstlerischen Projekten. Alles zusammen überzeugt mich jedes Mal wieder aufs Neue.

 

 

Großzügige Arbeits- und Ateliersituation in der Internationalen Sommerakademie für

Bildende Kunst Salzburg; Festung Hohensalzburg: Hier bezieht alljährlich die "Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg" Quartier. Fotos: Kultur Passage.

 

Kultur Passage: Die Sache mit dem Thema ist interessant. Wie kommt es zu den Themenstellungen?

Castens: Die Themen werden von den Dozenten vorgeschlagen. In diesem Jahr habe ich mich für die amerikanische Künstlerin Melissa Gordon als Dozentin entschieden, weil ihr Thema die „Geste“ lautete und das hat mich interessiert. Gordon selbst arbeitet stark raumgebezogen, das heißt, Kunstwerke stehen nicht isoliert da, sondern immer in Korrelationen zu den umgebenden Räumen. Den Ansatz finde ich spannend …. Bevor der Workshop startete, haben wir fünf Texte zum Thema „Geste“ bekommen, der uns eine erste Orientierung geben sollte. So konnten wir uns im Vorfeld  überlegen, wie wir das Thema „Geste“ künstlerisch umsetzen können. Ich habe für das Thema Bildmittel gewählt, die in engem Zusammenhang mit meiner Familie, vor allem mit meinem Vater stehen. Dabei rückte nicht die Farbe in den Vordergrund, sondern Materialien, die ich auf den Bildträger, in Salzburg nutze ich immer Papier, auftragen kann. In meinem Fall sind dies Bänder, und zwar Video-Bänder, Tonbänder und Schreibmaschinenbänder in Rot und Schwarz. Daraus ergab sich eine reduzierte Farbpalette und eine ungewöhnliche Materialsprache, deren Möglichkeiten ich nun ausloten kann. Auch Briefmarken schienen mir passend …

 

 

Uwe Castens, Collage aus Video-, Ton- und Schreibmaschinenbändern auf Papier. Entstanden in der Sommerakademie Salzburg im Juli 2017. Neue bildernische Materialien wie Briefmarken brachte Castens zur Sommerakademie nach Salzburg mit. Fotos: Uwe Castens & Kultur Passage. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

 

Kultur Passage: Das ist interessant, denn für gewöhnlich arbeiten Sie nicht unbedingt in der Collage-Technik. Sie malen in Acryl und dies gegenständlich und sehr farbintensiv. Salzburg ist wohl für Sie ein guter Input, um neue Perspektiven zu öffnen. Ist die Arbeitszeit in Salzburg auch besonders produktiv?

Castens: Ja, das ist sie. In der Zeit an der Sommerakademie fehlen die sonst üblichen Ablenkungen. Die Kurse finden ja auf der Festung statt. Damit unterbleiben die Versuchungen des täglichen Lebens wie beispielsweise Shoppen oder Gastronomie. Aber generell kann ich schnell zwischen der Kunst und anderen Tätigkeiten wechseln. Dies ist meiner Auffassung nach ein mentaler Schalter, den ich in den letzten Jahren beim steten Wechsel zwischen einer Erwerbstätigkeit, dem Kunstschaffen und anderen Dingen trainiert habe, sozusagen die Fähigkeit, schnell die Konzentration auf ein anderes Gebiet zu verlagern und dort zu belassen. Sehr wichtig ist, dass die Tätigkeit außerhalb des Kunstschaffens mit einem Minimum an emotionalen Konflikten mit anderen Mitmenschen belastet ist.

 

 

"Schwarze Villa", 2012. Acryl auf Leinen. 100 x 70 cm; "Schiffe", 2009. Acryl auf Papier. 60,5 x 90,5 cm.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

 

INFO & TIP: Alle Arbeiten, die gerade an der Salzburger Sommerakademie entstanden sind, werden an den „Tagen der offenen Türen“ auch für die Öffentlichkeit in Form von Ausstellungen zugänglich gemacht. Diesjährige Termine dafür sind der 4., 11., 18. & 25. August 2017.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.summeracademy.at, Tage der offenen Türen.

 

Weitere Informationen zu Uwe Castens:  www.uwe-castens.de

 

Hinweis: Alle Abbildungen wurden vom Künstler für diesen Beitrag der Kultur Passage VG Bild-Kunst befreit.