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DESIGN: 'Design Studio: Prozesse' im Museum für Gestaltung in Zürich

 

Was Sie schon immer wissen wollten? Warum wurde ein Produkt so gestaltet und nicht anders? Wo liegt der Nutzen für Sie und für andere Menschen in genau diesem Design? Warum gefällt es Ihnen? Gestaltete Produkte erwerben wir aus ästhetischen Gründen und pragmatischen Überlegungen, dies meist nicht nur einmal im Leben. Hinter den Strukturen dieser nützlichen Dinge, die wir täglich brauchen, stecken viele Versuche, Experimente. Schließlich stehen sie als Resultat eines langen und komplexen Prozesses vor uns und gefallen oder nicht. Um den spannenden Weg der Gestaltung von Alltagsgegenständen geht es in der Ausstellung „Design Studio: Prozesse“,  die am 24. August 2017 mit der Vernissage ihre Pforten öffnet. Das Motto: Der Weg steht im Vordergrund, nicht das Ziel. Veranstaltungsort? Das ist das Toni-Areal des Museum für Gestaltung in Zürich.

 

Wie wird aus einer „Rorschach“-Zeichnung ein Schuh? Wir alle kennen diese Tintenklecksbilder: Die Tinte wird vorsichtig auf ein in der Mitte gefalztes Papier getröpfelt, dann wird das Blatt gefaltet, wieder aufgeklappt kommt ein zeichnerisches Zufallsgebilde hervor. Benannt ist die Methode nach dem Schweizer Psychiater und Analytiker Hermann Rorschach, der sie als psychodiagnostisches Testverfahren anwandte und daraus eine eigene Persönlichkeitstheorie ableiten wollte. Aus einer solchen Rorschach-Zeichnung entwickelte die 1969 in Bern geborene, zunächst als Balletttänzerin, dann als Mode- und Textildesignerin ausgebildete Anita Moser eine Schuhkollektion, zu der auch die Sandale „Rorschach“ aus dem Jahr 2006 gehört, die heute zum Bestand der Designsammlung des Museum für Gestaltung in Zürich gehört. Anita Moser steht für ein markantes und eigenwilliges Schuhdesign mit überraschenden Themen und ungewöhnlichen  Designlösungen. Gerne mixt sie für die Umsetzung ihrer Entwürfe industrielle und handwerkliche Methoden verbunden mit einer unkonventionellen Materialsprache, die kostbare und povere Werkstoffe miteinander verbindet. Auch die „Rorschach“-Sandale mit hoher Plateausohle und ebensolchem Absatz steht exemplarisch für den ausgefallenen Gestaltungswillen von Moser: Der nach dem Muster der Zufallszeichnung aus durchbrochenem Leder arrangierte, hinten offene Schaft kragt vorne über die vordere Sohle wie ein skulpturales Gebilde hinaus. Dennoch, bei allen ihren Schuhentwürfen ist es Moser wichtig, dass sie im Resultat gut tragbar sind und man in ihnen ebenso gut laufen kann. Das mag ein Umstand sein, der ihrer tänzerischen Ausbildung geschuldet ist, denn was wäre die künstlerische Disziplin des Tanzes ohne starke und gut bewegte Füße? Ihre Schuhkollektionen entwickelte Anita Moser unter dem Label „Anita Moser“, aktuell sind Schuhe und Produkte aus Leder von ihr unter dem Label „IT´S LAUBER & ANITA MOSER“ in dem gleichnamigen Baseler Showroom zu finden. Innerhalb der Ausstellung „Design Studio: Prozesse“ wird sie am 17. September den Workshop „Schuhdesign unplugged“ mit dem schönen Untertitel „Wie Schuhe zu ungewöhnlichen Objekten werden“ leiten.

 

 

Sitzen? Das machen wir jeden Tag. Durchschnittlich sieben bis acht Stunden. Grund genug, sich einmal zu überlegen, wie Stühle und Sessel entstehen, oder? Da ist zum Beispiel „Wogg  42“, der Armsessel von dem 1968 im schweizerischen Uster geborenen Jörg Boner, der heute in Zürich lebt und arbeitet. Boner ist auf dem Gebiet des Produkt-, Möbel- und Industriedesigns und der Innenarchitektur tätig. Begonnen hat er seine Laufbahn mit einer Lehre zum Schreiner und Innenausbauzeichner, auf die das Studium des Produktdesigns und der Innenarchitektur an der Höheren Schule für Gestaltung in Basel folgte. Nach Abschluss seines Studiums gründete er mit anderen Gestaltern die Designergruppe „N2“, im Jahr 2001 eröffnete er sein eigenes Studio in Zürich, das unter „Jörg Boner productdesign“ firmiert. Den in der Züricher Ausstellung präsenten Prototyp seines Armsessels „Wogg 42“ vollendete Boner im Jahr 2007, durch den Ankauf der Designsammlung des Bundes im Jahr 2008 gelangte er als Dauerleihgabe in das Museum für Gestaltung. Mittlerweile gehört er zu den bekanntesten Werken von Boner. Insgesamt nahm die Entwicklung von „Wogg 42“ vier Jahre in Anspruch, bevor er 2009 in Serie gehen konnte. Clou des Sessels ist seine Polsterung, die mit Druckknöpfen an der Konstruktion befestigt werden kann. Mit dieser Art der Montierung kann die Polsterung spielend leicht ausgewechselt werden, in unterschiedlichen Farben gefertigt, erlaubt sie damit ein Maximum an Variationen farblicher Gestaltung von Inneneinrichtungen. Innerhalb der Design Gespräche, die zum Rahmenprogramm der Ausstellung gehören, trifft Jörg Boner am 8. November mit dem Münchener Kollegen Konstantin Grcic und der Kuratorin der Ausstellung Angeli Sachs zusammen. Thema des Talks? „Wie entsteht eine multifunktionale Leuchte oder ein neuer Typus von Stuhl?“

 

Insgesamt beleuchtet die von Angeli Sachs kuratierte Ausstellung 28 Designprozesse aus den Sammlungsgebieten Kunstgewerbe, Design, Grafik und Plakat. Sie gewährt außergewöhnliche Einblicke in Skizzenbücher und Arbeitsprozesse bedeutender Gestalter aus einer Zeitspanne von über hundert Jahren. Um nur eine kleine weitere Auswahl zu nennen: Es sind Arbeiten von William Morris, Josef Müller-Brockmann, Frédéric Dedelley, Karl Gerstner, Erich Biehle, Greutmann Bolzern Designstudio, Konstantin Grcic, Adrian Frutiger und der FREITAG lab. Ag zu sehen. Daneben eröffnet der mit der Zürcher Hochschule der Künste entstandene Ausstellungsteil "What s next" für den Besucher das Fenster in die Zukunft. Hier werden Fallstudien zu aktuellen oder zukunftsweisenden Themen und Prozessen visualisiert, die zeigen, wie sich in unseren Tagen Design und die Rolle des Designers verändern. Die der Ausstellung angeschlossene „Werkstatt“ soll als Lern- und Experimentierplattform dienen, in der sich der Gast selbst als Gestalter erproben kann. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können hier ihre eigenen Objekte entwerfen.

 

 

Ausstellung

Design Studio : Prozesse

Museum für Gestaltung Zürich, Toni Areal

Kuratorin: Angeli Sachs

Szenografie: Matthias Gnehm, Zürich

25.8.2017 - 15.7.2018

 

www.museum-gestaltung.ch

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