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KUNST & BALLETT: Die amerikanische Bildhauerin Sterett-Gittings Kelsey

Sterett-Gittings Kelsey, '#205 Attitude-Croisse-of-Richard-Polich-of-Tallix'. Lebensgroße

Bronzeskulptur. Alle Skulpturen von Sterett-Gittings Kelsey sind Personen gewidmet, diese

ihrem Gießer Richard Polich von Polich Tallix in New York, mit dem sie seit vielen Jahrzehnten

arbeitet. Foto: © & Courtesy Sterett-Gittings Kelsey.

 

Sterett-Gittings Kelseys Skulpturen sind eine Entdeckung, eine Entdeckung für alle Menschen, die die Bildhauerei und das Ballett lieben. Rund 300 Bronzen hat die amerikanische Bildhauerin in über fünfzig Jahren geschaffen. Im Sujet sind sie fast ausnahmslos dem anspruchsvollen und schönen Thema des Tanzes gewidmet. Viele von ihnen sind lebensgroß, ihre technische Ausführung ist schon eine bildhauerische Meisterleistung an sich. Sie erzählen außerdem von einer eindrucksvollen Vertrautheit mit dem klassischen Ballett, seiner Sprache, seines Ausdrucks, die Sterett-Gittings Kelsey mit Bravour in die Dreidimensionalität umsetzt.     

 

Wie dem einstigen Principal Dancer des Königlich Dänischen Ballett Johnny Eliasen, der heute für seine Pflege der Bournonville-Schule bekannt ist, geht es eigentlich allen Betrachtern der Skulpturen von Kelsey. Der Ballerino Eliasen kommentierte sie so:  „Ich habe eine Serie von Fotografien mit Arbeiten einer amerikanischen Bildhauerin gesehen, Sterret-Gittings Kelsey, und wurde gefragt, ob die Bewegungen und die Haltungen der Skulpturen im Sinne des Balletts korrekt ausgeführt sind. Ich kann bestätigen: Sie sind es in der Tat! Darüber hinaus möchte ich sagen, dass mir die grazile Leichtigkeit sehr gefallen hat, die diese Figuren sogar in einer Fotografie vermitteln (…) und die fein modellierten Hände und Füße.“  

 

 

Sterett-Gittings Kelsey, '#205 Attitude-Croisse-of-Richard-Polich-of-Tallix'. Lebensgroße Bronzeskulptur.

Fotos: © & Courtesy Sterett-Gittings Kelsey.

 

Wie kommt eine Bildhauerin zu dem besonderen Thema Ballett? Zufall oder Schicksal? Ein Blick auf die Vita der Künstlerin gibt schnell Aufschluss. Sterett-Gittings Kelsey kam im Jahr 1941 in Greenwich in Connecticut, einem sehr noblen, nahe zu New York gelegenen Städtchen zur Welt. Sieben Jahre war sie jung, als ihr die ehemalige Ballerina Katharine Phillips Rutgers in Greenwich ihre Sammlung von Porzellanfigurinen zeigte. Die bestand nur aus Tänzerinnen und Tänzern. Rutgers erklärte dem jungen Mädchen die Geschichten und Bedeutungen der Figurinen, anschließend nahm sie sie mit zu ihrem privaten Fundus aus vielen gesammelten Ballettkostümen, die sie während ihrer Vorstellungen getragen hatte. Das kam einem Initialerlebnis gleich: Seit diesem Tag war Sterett-Gittings Kelsey eine glühende Bewunderin der Tanzkunst. Noch ein zweiter Umstand förderte ihren Werdegang zur Tanz-Bildhauerin. Sterett-Gittings Kelsey wuchs nicht nur in Greenwich auf, sondern auch auf der Farm ihrer Großeltern in Glencoe, einer kleinen Ortschaft in Baltimore Land. Auf der Farm gab es einen Fluss mit grauem Ton an den Ufern. Aus diesem formte Kelsey als Mädchen schon ihre ersten Gefäße, Teller, Töpfe, Schalen. Nach Greenwich zurückgekehrt, arbeitete sie als Schülerin ihre skulpturalen Experimente in Plastilin aus, dazu nahm sie private Ballettstunden. Beides zusammen, das plastische Gestalten und die Freude an den Bewegungen des Balletts, brachte sie auf ihren Weg zur Tanz-Bildhauerin.

 

 

Sterett-Gittings Kelsey,'File # 249 Balanchine'S-Dancer-Elise Gillet-Boyce-Kelsey'. Lebensgroße Bronzeskulptur. Diese Skulptur ist dem Choreopgrafen George Balanchine und der Mutter der

Künstlerin Elise Boyce Kelsey gewidmet. Fotos: © & Courtesy Sterett-Gittings Kelsey.

 

Rückblickend ist sie davon überzeugt, dass ihre eigene Disziplin der wichtigste Antrieb war, um das umfangreiche Werk von Tänzerskulpturen zu schaffen. Heute besitzt sie nicht nur eine Galerie mit ihren eigenen Bildhauerarbeiten, sondern auch ein umfangreiches Archiv mit Filmen und Bildmaterial zur Materie Tanz, ein Resultat ihrer intensiven Beschäftigung mit den Themen Ballett, Choreographie und Musik. Das Studium der Bildhauerei absolvierte sie bis 1964 an der Rhode Island School of Design in Providence, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Rhode Island. Zum Zeitpunkt ihres Studienabschlusses inszenierte sie in Greenwich zusammen mit der Tanzpädagogin Felicity Foote ihre erste Performance als eine Synthese aus Tanz und Skulptur. Diese begann mit einem Bild, geformt aus den Schatten ihrer Ballettfiguren. Tänzer bewegten sich zu ihnen. Die Choreographie endete mit der Schlußbewegung der Tänzer, die der Position der Skulpturen entsprach.

 

 

Sterett-Gittings Kelsey, 'File #253 Robert Maiorano'. Modell in Bronze, Höhe ca. 23 cm. Robert Maiorano war der Ballett-Lehrer der Bildhauerin, dessen Beobachtungen und kritische Anmerkungen ihr bei der Modellierung ihrer Skulpturen sehr geholfen haben. Fotos: © & Courtesy Sterett-Gittings Kelsey.

 

Viele Bildhauer fertigen Ideenskizzen an, bevor sie in der dreidimensionalen Ebene arbeiten. Sterett–Gittings Kelsey geht anders vor und formt spontan in Wachs, Ton oder Plastilin. So entstehen ihre Entwürfe, die durch einen langwierigen Schaffensprozess dann zu vollendeten Skulpturen werden. Sterett-Gittings Kelsey führt alle Schritte der technischen Ausführung bis hin zur Ziselierung, farbigen Fassung und Patinierung selbst an. Im Jahr 1971 fand sie in dem berühmten New Yorker Gießer Richard Polich den perfekten Partner für ihre Arbeit. Das Team von Polich Tallix, das auch Plastiken für Künstler wie Louis Bourgeois, Dan Colen, Frank Stella oder Architekten und Designer wie Zaha Hadid und Herzog & de Meuron gegossen hat, „ermöglichte mir mein Werk“, erklärt sie selbst zur Bedeutung dieser jahrzehntelangen fruchtbaren Zusammenarbeit. Das Ballett bot Sterett-Gittings Kelsey die motivische Basis für ihr künstlerisches Werk, umsetzen in das Medium der Skulptur musste sie es als Bildhauerin allein: „Eine Bronze muss von allen Seiten durchgearbeitet sein, das gilt es bei ihrem Entwurf und ihrem Aufbau zu berücksichtigen. Beim Ballett auf der Bühne ist es anders. Die wichtigste Seite ist die, die dem Zuschauer zugeordnet ist, auf sie kommt es beim Tanz auf der Bühne an. Das Rückwärtige sieht man nicht unbedingt und es steht nicht im Mittelpunkt.“ In Roxbury in Connecticut, circa zwei Autostunden von New York entfernt, befindet sich die Kelsey Fine Art Gallery und der Skulpturengarten der Künstlerin. Sie freut sich immer über Besuch!

 

 

Sterett-Gittings Kelsey,'File # 249 Balanchine'S-Dancer-Elise Gillet-Boyce-Kelsey'.

Detail der lebensgroßen Bronzeskulptur. Foto: © & Courtesy Sterett-Gittings Kelsey.

 

Weitere Informationen zur Künstlerin im Netz:

www.bronzedancesculpture.com