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KUNST: 'Fahrelnissa Zeid' in der KunstHalle by Deutsche Bank Berlin

WerkstadtBerlin. Eine Führung in der KunstHalle by Deutsche Bank in der Ausstellung 'Fahrelnissa Zeid'. Foto: (CC BY 4.0), Autor: Dora Csala, Datum 29.10.2017. Im Hintergrund das Zeid-Gemälde 'My Hell', 1951. Öl auf Leinwand. 205 x 528 cm. Istanbul Museum of Modern Art Collection, Shirin Devrim Trainer und Raad Zeid Al-Hussain Donation.

 

Die Biographie von Fahrelnissa Zeid (1901-1991) liest sich wie ein Gesellschaftsroman auf internationalem Parkett, der im frühen 20. Jahrhundert beginnt und zu seinem Ausklang endet. Dennoch, Fahrelnissa Zeid war keine Roman-Heldin, sondern eine polyglotte, kosmopolitische Künstlerin, deren Lebensstationen von Metropolen wie Istanbul, London, Paris und Berlin, Bagdad und Amman oder Budapest erzählen. Zeids Vita ist besonders. Als Kind einer osmanischen, sich in Politik und Diplomatie verdient gemachten Oberschichtfamilie auf der größten Prinzeninsel im Marmarameer vor Istanbul geboren, betrachtete sie ihr Kunstschaffen zunächst als eine Art ‚Privatvergnügen‘, nicht als möglichen Broterwerb. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der Epoche der bedeutenden Abstraktionen, wurde sie schließlich über alle Landesgrenzen hinweg berühmt für ihre mitunter enorm großformatigen, gegenstandslosen Gemälde. Die Berliner Ausstellung in der KunstHalle by Deutsche Bank ist eine Kooperation mit der Tate Modern in London, wo die Ausstellung den Sommer über bis zum Oktober diesen Jahres zu sehen war. Sie war längst überfällig – eine letzte umfassende Werkschau von Zeid gab es vor 27 Jahren im Museum Ludwig in Köln. Viele Zeid-Werke sind nicht nur von London nach Berlin gereist, sie haben längere Wege hinter sich. Sie zählen zu musealen Sammlungsbeständen, zum Beispiel zum Inventar des Istanbul Museum of Modern Art und werden noch bis zum 25. März 2018 in der Berliner Ausstellung gezeigt. 

 

Früher Start, späte Karriere

Fahrelnissa Zeid begann als junger Mensch zu zeichnen und zu malen. Mit 18 Jahren schrieb sie sich als Studentin an der Akademie der Schönen Künste für Frauen in Istanbul ein. Ein Jahr später, 1920, heiratete sie den progressiven, westlich orientierten Schriftsteller İzzet Melih Devrim. Ihre Hochzeitsreise verbrachten die beiden in Venedig, wo die angehende Künstlerin zum ersten Mal großartige Beispiele europäischer Malerei sehen konnte. Drei Kinder brachte Zeid zur Welt, dann nahm sie ihr Studium der Malerei im Jahr 1928 wieder auf, dieses Mal in Paris bei dem berühmten Tachisten Roger Bissière an der Académie Ranson. Im Jahr darauf setzte sie ihre akademische Ausbildung wieder in Istanbul fort. 1934 ließ sie sich scheiden und heiratete den haschemitischen Prinzen Zeid Al-Hussein aus dem Irak, mit dem ihr ohnehin bewegtes, internationales Leben noch ereignisreicher werden sollte.  

 

 

An der Seite des Prinzen

Zeid Al-Hussein wurde im Jahr 1935 als erster Botschafter des Königreich Irak nach Deutschland geschickt und so ließ sich das Paar in Berlin nieder. 1938, man schreibt das Jahr der Annexion von Österreich, verließ das Paar Berlin und ging nach Bagdad, wo die der westlichen Kultur aufgeschlossene Fahrelnissa Zeid schwermütig wurde. Davon konnte sie sich zunächst in Paris erholen, dann verbrachte sie ihre nächsten Lebensjahre damit, zwischen Paris, Budapest und Istanbul zu pendeln und sich in diesen Städten ihrer Kunst zu widmen. 1941 kam sie in Istanbul mit der avantgardistischen Künstlergemeinschaft ‚Gruppe d‘ in Berührung. Animiert von der Aufbruchstimmung der ‚Gruppe d‘ zeigte sie 1945 in ihrer eigenen Wohnung ihre erste Einzelausstellung. Prinzipiell verwandelte Zeid gerne Räume in Ateliers oder Schau-Rooms, wie man heute sagt. Als ihr Mann 1946 zum ersten Botschafter des Königreich Irak nach London berufen wurde, richtete sie sich ihr Atelier einfach in den Botschaftsräumen ein.

 

Abstraktionen

In den Londoner Jahren reifte Zeids Stil zur Meisterschaft. Sie ließ die figurative Malerei hinter sich und entwickelte, beeinflusst von der Pariser Nachkriegs-Avantgarde, ihre besondere Art der Abstraktion, die von den persönlichen Wurzeln ihrer persischen, byzantinischen, kretischen und orientalischen Kultur erzählen. Auf einzigartige Weise kombinierte sie Ideen, Stile und Techniken ihrer westlichen Zeitgenossen mit Motiven aus den Kulturkreisen, die sie von Kind an geprägt hatten. In den späten 1940er Jahren bis in die 1950er Jahre hinein entstanden, sowohl in London als auch in ihrem Zweitatelier in Paris, die wichtigsten Arbeiten ihres Werkes. Viele von ihnen sind monumental. Sie treten dem Betrachter als kaleidoskopische Universen mit ausdrucksstarker Linienführung und lebendiger Farbgebung gegenüber. Vom Kunstmarkt werden sie heute nicht so hoch bewertet, wie die Arbeiten der amerikanischen, zeitgleich aktiven abstrakten Expressionisten, dennoch zahlen Sammler für solche Zeid-Werke durchaus über eine Millionen Euro.

 

Offiziersputsch in Bagdad

Am 14. Juli 1958 wurde die irakische Monarchie durch einen außerordentlich blutigen Militärputsch gestürzt. Etliche Mitglieder der königlichen Familie, das waren Verwandte Zeids, und führende Regierungspolitiker wurden in den ersten Stunden des Aufstands ohne Prozeß erschossen. Zu diesem Zeitpunkt verbrachten Fahrelnissa Zeid und ihr Mann ihren Urlaub auf Ischia. Von den Ereignissen in Bagdad zutiefst schockiert, musste das Paar außerdem binnen 24 Stunden die irakische Botschaft in London räumen. In der Folge gab Zeid das Malen auf, erst in den frühen 1960er Jahren fing sie wieder damit an. Nun entstanden hauptsächlich Porträts von Verwandten und Menschen ihrer sozialen Umgebung. 1975, Zeid war mittlerweile Witwe, zog sie nach Amman, wo ihr Sohn lebte. Dort gründete sie 1976 das ‚Royal National Jordanian Institute Fahrelnissa Zeid of Fine Arts‘, an dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1991 wirkte.

 

 

Die Ausstellung 'Fahrelnissa Zeid'  lief bis 25. März 2018 in der KunstHalle by Deutsche Bank, Berlin

(In Kooperation mit Tate Modern, London)

Unter den Linden 13/15 - 10117 Berlin

Zur Ausstellung gab ein umfangreiches Rahmenprogramm

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.deutsche-bank-kunsthalle.de/kunsthalle/de/