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Sigrid Neubert - Die Ausstellung, das Buch.

 

In der 2005 erschienenen Monographie zu dem österreichischen Architekten Karl Schwanzer nannte Winfried Nerdinger sie ‚Fotografin mit vielen Augenpaaren‘. Die aus den Printmedien bekannten Aufnahmen der Architekturfotografin Sigrid Neubert mit ihren hervorragend ausgewählten Perspektiven, den raffinierten Lichtführungen und den präzisen Architekturdarstellungen sprechen von diesen ‚Augenpaaren‘. Das Museum für Fotografie in Berlin, dem die 1927 in Tübingen geborene Künstlerin jüngst wesentliche Konvolute ihres Werkes zustiftete, beschäftigt sich ab dem 9. Februar  in der Retrospektive ‚Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur‘ mit dem Gesamtwerk der Fotografin. Präsentiert werden ihre bekanntesten Bilder von Architekturen der süddeutschen Nachkriegs- und Spätmoderne, aber auch Landschaften und Naturaufnahmen, die das Spätwerk von Neubert ausmachen.

 

Sigrid Neubert lebt heute in der Nähe von Berlin, ist aber in München durch ihren Werdegang und ihre Arbeit stark verwurzelt. Hier nämlich absolvierte sie bis 1954 ihre Ausbildung an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen, dann entstanden zunächst ihre Fotografien im Auftrag der Keramikindustrie, zum Beispiel für Rosenthal, und auch für Glasunternehmen. Als sie sich schließlich der Architekturfotografie zuwandte begann ihre für eine Frau ungewöhnliche, über 30 Jahre anhaltende Erfolgsgeschichte: Ab 1953 wurden Sigrid Neuberts Aufnahmen regelmäßig in den gängigen Architektur- und Fachzeitschriften publiziert, folgend auch in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

 

Zur Liga der Architekten, deren Bauten sie dokumentierte, gehörten Kurt Ackermann, Walther und Bea Betz, Günter Behnisch, Hans-Busso von Busse, Herbert Groethuysen, Hardt-Waltherr Hämer, Alexander von Branca, Gustav Peichl, Manfred Lehmbruck, Paul Stohrer, Karl Schwanzer und viele mehr. Mit den zahlreichen Aufnahmen von berühmten Neubauten, die ab Mitte der 1950er Jahre in München entstanden, liest sich ihr Werk heute wie eine süddeutsche Architekturgeschichte mit eindrucksvollen, die Spätmoderne würdigenden Bildern die für sich selbst sprechen. Auftragsreisen führten Sigrid Neubert später auch nach Afrika und Südamerika, von 1990 bis 2007 favorisierte sie die Natur und die Landschaft als Thema und Motiv.

 

Die Berliner Ausstellung ‚Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur' ist retrospektiv und entsprechend umfangreich angelegt. Sie hebt den einen oder anderen verborgenen oder mittlerweile zerstörten architektonischen Schatz. Stets sind in den Architekturfotografien die individuellen Qualitäten der Gestaltung herausgearbeitet, dies dank vieler Gespräche der Urheberin mit den Baumeistern, ihrem intensiven Studium der Entwürfe, ihrem Verständnis der leitenden architektonischen Ideen.

 

Informationen zur Ausstellung:

Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur, 09. Februar bis 03. Juni 2018 im Museum für Fotografie. Dienstag -Sonntag 11 Uhr - 19 Uhr, Donnerstag 11 Uhr - 20 Uhr.

 

http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-fuer-fotografie/ausstellungen/detail/sigrid-neubert.html

 

Hg. Ludger Derenthal  für die Staatlichen Museen zu Berlin / Kunstbibliothek.
'Sigrid Neubert: Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne'
erscheint im Februar 2018 im Hirmer Verlag, München.
Ca. 336 Seiten, ca. 570 Fotografien, Pläne und Grundrisse
22,4 x 29,4 cm.
Preis ca. 45,00 Euro.
Abb. des Buchtitels: © & Courtesy  Hirmer Verlag.