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Disco und Club ziehen in Museumshallen: Die Ausstellung ‚Night Fever‘

Abb. oben: Tresor - Techno Club in Berlin. (c) No machine-readable author provided. MichaelBrossmann assumed (based on copyright claims)., Tresor - Berlin, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons .

 

Nachtclubs und Diskotheken sind seit den 1960-er Jahren Epizentren der Popkultur. Hier verkehrten Künstler und Celebrities, Nachtmenschen, Außenseiter und Besucher, die im Licht dieser Berühmtheiten stehen wollten oder am besten gleich im Scheinwerferlicht. Die Innenraumgestaltungen solcher Locations waren meist nicht weniger artistisch und besonders: Design, Licht und Musik, Kunst, Tanz und Mode verschmolzen in der Disco oder in dem Club zu einem trendigen Gesamtkunstwerk der Off-Kultur und der Glitzerwelt. Das Vitra Design Museum in Weill am Rhein widmet genau diesem Thema ab dem 17. März die Ausstellung ‚Night Fever: Design und Clubkultur 1960 – heute‘.

 

Being INternational

‚Night Fever: Design und Clubkultur 1960 – heute‘ ist die erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema, zur internationalen Kulturgeschichte des Nightlifes. Das Ausstellungsspektrum reicht vom italienischen, von den Vertretern des Radical Design gestalteten Club aus den Sixties über das legendäre, für seine exzentrischen Besucher bekannte  ‚Studio 54‘ , in dem der ikonische Andy Warhol Stammgast war bis hin zu Konzepten von OMA für ein neues Ministry of Sound  in London. Neben Möbeln, Modellen und Mode umfasst die Ausstellung seltene Filmdokumente, Musikbeispiele, Grafikdesign sowie zeitgenössische künstlerische  Positionen zum Thema, die von Mark Leckey, Chen Wei oder Musa N. Nxumalo stammen. Ergänzt durch raumgreifende Installationen mit Musik und Lichteffekten, entführt ‚Night Fever‘ den Besucher auf eine faszinierende Reise durch Subkulturen.

 

Ergänzend zum chronologischen Aufbau der Ausstellung haben der Ausstellungsgestalter Konstantin Grcic und der Lichtdesigner Matthias Singer eine Musik- und Lichtinstallation entwickelt, die die bewegte Geschichte der Clubkultur nachzeichnet. Dazu unterstreicht eine ausgewählte Sammlung von Plattencovern, darunter Peter Savilles Designs für Factory Records oder Grace Jones‘ programmatisches Albumcover ‚Nightclubbing‘, die wichtigen Zusammenhänge von Musik und Design in der Clubkultur. Auch dieser Teil der Ausstellung zeigt, dass Nachtclubs viel mehr sind als vier Wände und ein Dach: Sie schaffen Räume für intensive Erfahrungen, die nur in einem ‚Club‘-Biotop und nur in der Nacht erlebt werden können – am Tag sieht alles ganz anders aus.

 

GerMan ICons

In Deutschland beheimatet, erschien der Tecno-Club ‚Tresor‘ reif für den Einzug in museale Gefilde. Er ist in der Hauptstadt zuhause, seine Geschichte mittlerweile 27 Jahre alt. Seit der Eröffnung im Jahr 1991, zunächst in der Leipziger Straße 126–128, von 2007 an im ehemaligen Heizkraftwerk Berlin-Mitte, haben im ‚Tresor‘ zahlreiche DJs aufgelegt und zum Teil dort ihre Karriere begonnen. Mit den Veranstaltungen und dem hauseigenen Plattenlabel ‚Tresor Records‘ hatte der Club Einfluss auf die Entwicklung der Techno-Szene in Deutschland und in ganz Europa. Sein erstes Domizil war der 1926 erbaute auratische Tresorraum des ehemaligen und weltweit berühmten Wertheim-Kaufhauses nahe dem Leipziger Platz. Seine rustikale, dekorationsfreie Einrichtung im ehemaligen Kaufhaus-Tresor mit hunderten von aufgebrochenen Schließfächern und die harte, maschinelle Musik fanden schnell Anklang in Berlin und bei den Tecno-Fans aus der ganzen Welt.

 

 

Info:  ‚Night Fever: Design und Clubkultur 1960 – heute‘ ,17. März – 9. September 2018

Ort: Vitra Design Museum
Charles-Eames-Straße 2
79576 Weil am Rhein
Deutschland
Öffnungszeiten: täglich von 10 – 18 Uhr
Weitere Informationen: www.design-museum.de