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Nachruf auf den Fotografen Uwe Kempen (1960-2018)

von Gerhard Charles Rump

So eine Aussage hört man von Fotografen selten: "Ohne meine Modelle bin ich nichts." Mit diesen Worten beschrieb der aus Krefeld stammende Berliner Fotokünstler Uwe Kempen seine Dankbarkeit seinen vielen Aktmodellen gegenüber, die ihm eine mehr als 25-jährige Karriere als einer der führenden Akt- und Erotikfotografen ermöglicht haben. Er konnte seine Werke in unzähligen Ausstellungen – nicht nur in Deutschland – der Öffentlichkeit präsentieren und mehrere Beststeller-Bücher mit seinen Fotos – unter anderem "Voyeur", "Intim" und "No Face" – veröffentlichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uwe Kempen (1960-2018).

Foto: © & Courtesy Gerhard Charles Rump.

 

Guerilla-Fotoaktionen

Bekannt wurde er anfangs mit seinen "Guerilla"-Fotoaktionen, bei denen er in der Berliner U-Bahn seine fast ausschließlich weiblichen Modelle ablichtete und die er auch am großen Stern, auf der Straße des 17. Juni und im Kleistpark durchführte. Die Berliner Polizei unterstützte ihn dabei: Während einer Aufnahmesession auf der Straße des 17. Juni bildete sich ein Stau durch neugierige Autofahrer. Die Polizei erschien auf der Bildfläche und verscheuchte die Gaffer: "Fahrnse weiter, lassense den Mann arbeiten!"

Seine Bilder thematisieren (Männer-) Träume, auch solche, die kaum je Realität werden können, und sie sind Projektionen von weiblicher wie männlicher erotischer Appetenz. In seinem Buch "No Face" geht es um Ansichten des weiblichen Körpers ohne Gesicht, in bisweilen extremen Ausschnitten, jedoch ohne Gefahr zu laufen, dass die Identität des Modells sich ins Objekthafte verliert. Im Gegenteil faszinieren die Fotos Uwe Kempens praktisch stets durch ihre ehrliche Wiedergabe feiner Falten und Narben, aber auch mittels ihrer bewussten kulturellen Verweise durch Zitate klassischer Kunst, zeitgenössischer sowie modischer Merkmale wie Piercings, Tätowierungen und anderer Details.

Er hat aber auch Architekturen fotografiert, wobei sein Heranrücken an das Motiv einen besonders wirksamen ästhetischen Abstand zum Bildgegenstand betont hat. In jüngster Vergangenheit befasste er sich mit der Drohnen-Fotografie, betrachtete die Welt von oben, wie immer auf der Suche nach dem besonderen Bild, der Erkenntnis fördernden Struktur. Am Samstag, den 19. Mai 2018, starb Uwe Kempen, elf Tage vor seinem 58. Geburtstag, nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin.