· 

'Wohnzimmer Europa' - Die Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig

BK

Haus am Löwenwall- Interior View, Städtisches Museum - Braunschweig, Germany - DSC04495, CC0 1.0

 

Wieviel Europa haben wir in unseren Wohnzimmern? Die Ausstellung ‚Wohnzimmer Europa – Kitsch, Kultur und andere Fragen‘ im Städtischen Museum Braunschweig kommt dieser Sache ab dem 22. Juli 2018 auf die Spur. Die Exponate? Das sind meist persönliche Mitbringsel aus europäischen Ländern, die in das deutsche Wohnzimmer als Andenken an die Reise, das Land, seine Kultur und die Menschen Eingang fanden. Meist wurden sie gut behütet. 

Das Städtische Museum Braunschweig am Löwenwall hatte im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 (unter dem Motto 'Sharing Heritage') alle Braunschweigerinnen und Braunschweiger eingeladen, persönliche, durchaus auch kitschige Souvenirs, Fotoschnappschüsse und Geschichten zum Thema Europa beizusteuern. An diesem Sonntag wird die Ausstellung mit den für ein Museum eher ungewöhnlichen Exponaten dazu eröffnet. Sie ist im Lichthof des Museums zu sehen. Das spannende Projekt fördert zutage, was früher gerne aus dem Urlaub mitgenommen wurde, um sich rückblickend noch einmal das Erlebte in Erinnerung zu rufen. Oft erinneren die Souvernirs an kulturelle Identitäten von Ländern und Regionen, für die allein es sich schon gelohnt hat, durch Europa zu reisen. 

Die Fundstücke

Über 60 Fundstücke sind von Braunschweigern aus ihren privaten Haushalten zusammengetragen worden. Es sind Leihgaben. Ihnen hängt bis heute, auch wenn sie schon von den Eltern oder Großeltern der Leihgeber angeschafft wurden, wohl ein großer ideeller Wert an. Viele von den Ausstellungsstücken erzählen Geschichten. Da ist eine Gruppe von Trachtenpüppchen aus unterschiedlichen Ländern, die der Leihgeberin von 1960 bis 2000 von den Schwiegereltern als Andenken aus ihren Urlauben mitgebracht wurden. Eine Pfeife in Form eines Anhängers zeigt die Figur des italienischen Schelms Pinocchio. Hübsch anzusehen, verfehlte das Geschenk aber seine Wirkung: Die ‚Pfeife war als nett gemeintes Mitbringsel für die Kinder meiner Freunde gedacht‘, erinnert sich die Braunschweigerin, die sie zur Ausstellung anbot. ‚Beim ersten Verschenken musste ich feststellen, dass das Geschenk zwar für Kinder nett ist, für alle Anwesenden ziemlich nervig. Die zweiten Eltern habe ich verschont. Mitbringsel sollten wohl überlegt sein', so ihr Fazit. Auch Objekte, deren künstlerischer Wert noch zu erforschen sein wird, kommen in die Schau. Das ist zum Beispiel der andalusische Keramik-Kopf mit dem Konterfei eines Toreros, eine Handarbeit eines andalusischen Künstlers, das ‚nach einem Besuch einer Flamenco-Show in Sevilla in einer Galerie erworben‘ wurde, erfährt man von der Bringerin. Vielleicht lässt sich ja noch in Braunschweig herausfinden, wer ihn geschaffen hat. Die vielen Fundstücke, sind bilden vereint so etwas wie eine ‚Wohnung Europa‘, durch ihre Geschichten wecken sie Erinnerungen. Sie sind in materialisierter Form vorhanden, greifbar, anders als die vielen digitalen Bilder unserer Zeit, die wir in den Holiday-Posts der Social Media sehen. Das Internet vergisst zwar nichts, dafür vergessen wir aber vieles, was uns in der Bilderflut begegnet. 

 

Die Ausstellung

Was ist Europa? Sind wir in Europa zuhause? Wieviel Europa haben wir in unseren Wohnzimmern? Dies sind die Fragen, die die Braunschweiger Ausstellung so gemeinsam mit den Bürgern ihrer Stadt thematisiert. Dazu erklärt der Direktor des Museums Dr. Peter Joch: ‚Ziel ist es, eine Plattform für Geschichten und Reflexionen zum Thema Europa zu schaffen. Für die einen ist Europa ein politisches Sehnsuchtsziel, für die anderen ein zur Pathos-Formel erstarrtes Politiktheater, das meist nur durch Finanzprobleme von sich reden macht. Wir wollen veranschaulichen, dass Europa nicht nur ein politisch definiertes abstraktes Konstrukt ist, sondern auch ein sehr persönliches Forum von Werten, kulturellen Erfahrungen und eben auch Wahrnehmungsklischees.‘ Die Sammlung von Prototypen oder Klischees entspreche durchaus der kulturellen Wirklichkeit: ‚Die Identitäten einzelner Länder werden oft durch marginale standardisierte Signale geprägt, beispielsweise durch den vielzitierten Gartenzwerg in den Gärten deutscher Vororte oder die bekannte gelbe Tulpe aus Holz, die einen an jeder Straßenecke Amsterdams erwartet.‘

Rahmenprogramm

Die Ausstellung wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 (ECHY) unterstützt durch das Land Niedersachsen, vermittelt durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm rund um das Thema Europa. Alle Veranstaltungen finden in der Ausstellungskulisse im Lichthof des Städtischen Museums Braunschweig statt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

22.-29.07.2018, 10-17 Uhr: Kunst- und Handwerkermarkt: Im Rahmen der Ausstellung und des Europäischen Kulturerbejahres 2018 bieten Künstlerinnen und Künstler aus den Partnerstädten Braunschweigs, Nîmes (Frankreich), Bath (England), Bandung (Indonesien) und Sousse (Tunesien), hochwertige Kunsthandwerkprodukte im Städtischen Museum Braunschweig an. Während des Marktes können Besucher von 12-15 Uhr an abwechselnden Tagen in der Cafeteria des Museums landestypische Speisen kosten und haben außerdem die Möglichkeit, an einem Gewinnspiel mit attraktiven Preise teilzunehmen.

 

Dienstag, 14.08.2018, 19 Uhr: ‚Berühmt in Europa – Vergessen in Braunschweig‘ – Vortrag Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel. In dem Vortrag von Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel (Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte) geht es um berühmte Braunschweiger Persönlichkeiten, die in ihrer Heimat (fast) in Vergessenheit geraten sind, in Europa jedoch namhafte Spuren hinterlassen haben.

 

Donnerstag, 16.08.2018, 19 Uhr: ‚Liebe verbindet‘: Tristan und Isolde/Romeo und Julia – Lesung mit Musik. Mit den Schauspielern Verena Noll und Jürgen Beck-Rebholz. Musik: Franz Schwarznau, Kontrabass

 

Freitag, 17.08.2018, 19 Uhr: Poetry Slam Fünf Slammer fokussieren ihren lyrischen Blick auf Themen rund um Europa und seine Gesellschaft.

 

Donnerstag, 23.08.2018, 19 Uhr: ‚Liebe verbindet‘: Abaelard und Heloise/Daphnis und Chloe – Lesung mit Musik. Mit den Schauspielern Kathrin Reinhardt und Thomas B. Hoffmann. Musik: Franz Schwarznau, Kontrabass.

 

Dienstag, 28.08.2018, 19 Uhr: Künstlergespräch mit Denis Stuart Rose. Museumsdirektor Dr. Peter Joch im Gespräch mit Denis Stuart Rose (*1953 Wiesbaden) über seine Arbeit „Novemberpacken“ (1990), die anlässlich des 4. Internationalen Stadt-Plenair Bildhauersymposiums in Magdeburg entstanden ist.

 

Mittwoch, 29.08.2018, 19 Uhr : ‚Offenes Mikro‘ Geschichten hinter den Objekten – ein Abend mit Museumsdirektor Dr. Peter Joch und Gästen. 

Info

Die Ausstellung ‚Wohnzimmer Europa‘ ist bis zum 29.8.2018 zu sehen. Öffnungszeiten: Di – So 10 – 17 Uhr, Städtisches Museum Braunschweig, Haus am Löwenwall, Steintorwall 14, 38100 Braunschweig, Tel.: (0531) 470 4521, E-Mail: staedtisches.museum@braunschweig.de, www.braunschweig.de/museum

 

Eintritt: Erwachsene 5,00 €; Ermäßigung (für Schüler, Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderung, Rentner sowie Inhaber des „Braunschweig Passes“) 2,50 €; Kinder von 6 – 16 Jahre 2,00 €; Schulklassen und Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt.