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Weihnachten in Hongkong: Christmas einmal anders ...

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Gut besuchter Wong-Tai-Sin-Tempel am Boxing Day
Gut besuchter Wong-Tai-Sin-Tempel am Boxing Day

Wer gerne Seafood und Glasnudeln isst, Tee trinkt und bei angenehmen 20 Grad Celsius plus auf Stadtspaziergängen moderne Architektur und Städtebau bewundert, der ist in Hongkong gut aufgehoben, vor allem zur Weihnachtszeit, wenn in der europäischen Kontinentalregion vorzugsweise süße warme Weine, Christstollen und schwere Braten offeriert und verzehrt werden. Der Interkontinentalflug lohnt eigentlich schon wegen des International Airports nach Plänen von Baron Norman Foster, realisiert in Mitarbeit der Ingenieure Ove Arup & Partner. 1998 fertiggestellt umfasst er 75 Flugsteige und ist 1270 Meter lang und betont umweltfreundlich, wie vieles in der Asienmetropole mit ihren 7.5 Millionen Einwohnern. Zu Weihnachten gesellen sich dazu noch viele Gäste, die meist auch aus Asien stammen. Es ist ganz schön trubelig, aber auch bestens organisiert.

 

Central by night mit Blick auf Peis Bank of China
Central by night mit Blick auf Peis Bank of China

Die Architektur der Moderne bestimmt das Gesicht der Stadt, die Skyline von Hongkong Island und auch die von Kowloon ist atemberaubend schön. Den topographischen Bedingungen geschuldet wurde und wird hier fast ausschließlich in die Vertikale gebaut. Der höchste Tower ist das International Commerce Centre (ICC) an der Südspitze Kowloons: Mit 108 Etagen misst er stolze 484 Meter in der Höhe. Der Turm wurde nach den Planungen der Büros Kohn Pedersen Fox (KPF) und Wong Ouyang erbaut und 2010 fertiggestellt. Das alles paart sich auch mit sehr humamen Maßen. Zwischen den zahlreichen Hongkong-Towern findet der Spaziergänger viele Plätze, schöne Parks und begrünte Höfe, die die Hongkong-Chinesen gerne zur Erholung, für ihr Tai-chi oder für gemeinschaftliches Tanzen nutzen. Die Tower wiederum sind mit Brücken untereinander verbunden. Insgesamt besitzt Hongkong rund 1500 davon, 173 Straßen- und 150 Fußgängerbrücken gibt es allein auf Hongkong Island. Fußgänger können so geschützt und schnell die Innenstadt durchqueren und da sich in vielen der Skyscraper Geschäfte befinden, lässt sich außerdem das eine oder andere schnell auf dem Weg erledigen. Hochhäuser sind platzsparend was den Verbrauch von Grundflächen betrifft und in vielerlei Hinsicht sehr ökonomisch. In Hongkong gibt es keinerlei Zersiedlungstendenzen, wenn man von den New Territories einmal absieht. Bis 1997 hatten die Briten dieses Gebiet gepachtet, dann wurde dieses Rest-Hongkong wieder an China zurückgegeben. Es ist eher ländlich geprägtes Festland.

 

Blick vom Victoria Peak auf Hongkong Island
Blick vom Victoria Peak auf Hongkong Island

Die höchste Erhebung auf Hongkong Island ist Victoria Peak mit einer Höhe von 552 Metern. Der Blick von dort auf die Skyline von Hongkong Island und Kowloon, die im späten 20. Jahrhundert viele Stars der internationalen Architekturszene wie Baron Norman Foster mit seinem HSCB-Tower oder Ieoh Ming Pei mit dem Turm der Bank of China Hongkong geprägt haben, ist einmalig. In der Stadt wird viel gebaut, derzeit ausgedehnt in der Uferregion von Chung Wan und Wan Chai das Central and Wan Chai Reclamation Project (https://www.cedd.gov.hk/eng/achievements/regional/regi_central.html). Und die Baugerüste werden hier generell aus Bambus errichtet, was sehr schön aussieht.

 

Blick auf Kowloon. Die Spitze des ICC-Towers verschwindet im Nebel
Blick auf Kowloon. Die Spitze des ICC-Towers verschwindet im Nebel

Neues Bauen und Filmgeschichte: Kowloon

Kowloon ist der urbane Festlandbereich der Sonderverwaltungszone Hongkong. Von dem Island aus erreicht man das Festland per Schiff oder mit der U-Bahn von Hongkong Central aus. Mehr optische Freude bringt natürlich die Fahrt über Wasser. Im Süden Kowloons wird noch mehr gebaut als an den Ufern von Hongkong Island: Auf einem circa 40 Hektar großen Areal wird hier gerade neben dem ICC eines der größten und ambitioniertesten Kulturprojekte weltweit gebaut. Es trägt den Namen ‚West Kowloon Cultural District‘. Nach Entwürfen von Herzog & de Meuron (HdM), Bing Thom Architects und UNStudio entstehen hier neben vielen öffentlichen Außenräumen Theater, Aufführungsräume, Museen, Galerien, dazu auch gewerbliche Flächen wie Hotels, Büros und Restaurants. Das Projekt von HdM nennt sich M+ und wird ein Kulturzentrum für Kunst, Design, Architektur und das bewegte Bild des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Räume reichen vom konventionellen White Cube, umkonfigurierbaren Räumen über Screening-Räume und Mehrzweckeinrichtungen bis hin zu sogenannten dritten Räumen und sogar einem ‚Industrial Space‘, so ist auf der Website von HdM zu lesen.  Eine ausführliche Beschreibung des Projektes ist auf der  Website der Architekten veröffentlicht https://www.herzogdemeuron.com/index/projects/complete-works/401-425/415-m-plus.html. Die Baufortschritte des Kulturquartiers werden auf der Seite von West Kowloon veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert. Wer Weihnachten 2019 in Hongkong verbringt, der kann bei termingerechtem Bauen das neue Kulturquartier M+ schon besuchen. Zum aktuellen Stand gibt es hier den Link zur Seite West Kowloons: https://www.westkowloon.hk/en/mplus/m-building.

Kowloon Park - Im Hintergrund Tai-chi inspirierter Kreistanz
Kowloon Park - Im Hintergrund Tai-chi inspirierter Kreistanz

 

An der südlichen Spitze von Kowloon, in Tsim Sha Tsiu, gibt es das ‚alte‘ Kulturzentrum von Hongkong mit dem derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossenem Hongkong Museum of Art, dem Hongkong Space Museum und dem Cultural Centre. Die Ballett-Liebhaber mussten auch hier nicht auf den weihnachtlichen Nussknacker verzichten: An den Christmas-Evenings war das Weihnachtsmärchen in der Choreographie von Terence Kohler zu sehen und gut ausverkauft. Für die echten Cineasten lohnt sich auf jeden Fall noch ein Spaziergang in die menschenüberfüllte Nathan Road, die vorzugsweise zum Shoppen aufgesucht wird. Auf dieser Straße begibt man sich auf die Spuren von Wong Kar-Wei und steht auf Höhe der Hausnummer 36-44 den ‚Chungking Mansions‘ gegenüber, den billigsten Unterkünften Hongkongs. Der erste Teil des frühen filmischen Meisterwerks ‚Chungking Express‘ von Wong wurde um und in ‚Chungking Mansions‘ gedreht, an einem überfüllten, hyperaktiven Ort, der als Metapher für Hongkong gelesen werden kann. ‚Express‘ hingegen benennt einen Imbiss im Stadtteil ‚Central‘ und dafür muss man wieder nach Hong Kong Island fahren. Vorher sollte man noch ein paar Schritte im Kowloon Park spazieren, einer von den vielen schönen Gärten inmitten der Stadt …

 

Christmas Eve bis Boxing Day: What´s up?

Möglich ist an den Tagen alles. Obwohl es Feiertage sind, arbeiten doch mehr oder weniger alle, um 'Geld zu verdienen'. Das heißt, die Geschäfte sind geöffnet, die Lokale, auf den Straße ist wie immer bis in die späten Abendstunden buntes Treiben. Am Weihnachtsabend geht man als Gast am besten erst einmal ‚cruisen‘. Sich auf einem Boot durch den Victoria Habour zu bewegen und die kunstvoll illuminierte Skyline zu sehen ist ein echtes Highlight. Und es gibt etliche Zwischeneinlagen: Am Ufer von Kowloon empfangen kleine Orchester, die zum Beispiel die Carmina Burana geben, die Küste von Hongkong Island begrüßt die Besucher mit begehbaren Lichtinstallationen. Das Viertel Wan Chai, das als Standort besonders empfehlenswert ist, weil es nicht mit Shopping Malls übersät, dafür aber noch sehr kommunal ist, ist auf Höhe der Methodist Chinese Church auf der Henessy Road besonders reizvoll. Vor der Kirche versammelt sich rund um ein großes Orchester die Nachbarschaft, die allen, auch den Vorbeifahrenden in den doppelstöckigen Straßenbahnen, begeistert und lauthals ‚Merry Christmas‘ wünscht. Nebenan gibt es den von Hochhaustürmen eingerahmten Sportplatz ‚Southorn Playground‘, den jeden Abend Hobby-Fuß- und Basketballer für ihr Workout nutzen. Ganz praktisch gelegen ist da auch der kleine Nightmarket an der MTR-Station Wan Chai, auf dem man schnell ein paar Sportklamotten kaufen kann für wenig Geld und dann loslegen .... Auch am Christmas Eve geht hier das Leben einfach weiter. Hinter dem Sportplatz beginnt die Lee Tung Avenue, das Ergebnis eines Sanierungsprojektes, das 2007 vollendet wurde. Ursprünglich erstreckte sich hier die Lee Tung Street, in der sich der auf Hochzeitsausstattungen spezialisierte Einzelhandel niedergelassen hatte. Mittlerweile sind hier viele Luxuswarengeschäfte und Delis mit Schwerpunkt auf französische Nahrungsmittel niedergelassen, die westliches Flair in die Asia-Metropole bringen. Auf die Lee-Tung-Avenue-Agenda sollte man auf jeden Fall den Besuch des brasilianisch-japanischen Restaurants Djapa setzen. Auf zwei Geschossen bietet diese Location  nicht nur eine spannende leichte Küche mit viel Seafood, sondern auch jede Menge Kunst. Im Mittelpunkt stehen große Mangas, Skulpturen, Gemälde oder Graffiti von Takashi Murakami, Yayoi Kusama und Tomaz Viana, die Djapa eine angenehme künstlerische Atmosphäre geben. Unten lädt eine sehr gut sortierte Bar zu Drinks ein, der Speisesaal in der ersten Etage hat eine offene Show-Küche und bietet einen Ausblick auf die belebte Lee Tung Avenue.

Tea

Wenn man in Hongkong gastiert, kommt man um ein Getränk nicht herum. Das ist der Tee und am besten versteht man die Bedeutung dieses facettenreichen Heißgetränks, wenn man sich auf den Weg zum Teemuseum im Central District der Stadt macht. Inmitten des Botanischen Garten ist es in dem sogenannten ‚Flagstaff House‘ beheimatet. Erbaut wurde dieses in den 1840er Jahren als Residenz des Kommandeurs der British Force. 1984 ging es in den Besitz der Hongkong Museen über. Zum Sammlungsbestand gehören viele historische Keramiken in Form von Kannen und Koppchen und Siegel. Es ist das einzige Museum dieser Art auf der Welt. Wer nun Durst hat, kann nach dem Besuch gleich in das traditionelle Teehaus nebenan. Christmas in Hongkong - das ist bunt, lebendig, angenehm warm, beeindruckend, spannend und sehr gechillt, auch wenn die Stadt voll ist.