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Der Film Yuli: Etwas mehr über Carlos Acosta und gerne mögen wir noch mehr ...

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Der erwachsene Carlos (Carlos Acosta). © Piffl Medien
Der erwachsene Carlos (Carlos Acosta). © Piffl Medien

Ein spannendes Jahr liegt hinter dem kubanischen Balletttänzer und ehemaligen Ballerino Carlos Acosta. Im Oktober 2018 erhielt er den Queen Elizabeth II Coronation Award, der ihn als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Bereich Tanz auszeichnete. Im Januar 2019 wurde seine Ernennung zum künstlerischen Leiter des Birmingham Royal Ballet bekannt, eine Position, die er ab 2020 innehaben wird. Und gerade ist seine filmische Biographie, die vor allem seine jungen und für seinen Werdegang entscheidenden Jahre dokumentiert, im Kino zu sehen. Sie heißt Yuli und ist nicht nur sehenswert, sondern hinreißend.

 

Geht nur widerwillig zum Ballettunterricht Carlos (Edilson Manuel Olbera Núñez). © Piffl Medien
Geht nur widerwillig zum Ballettunterricht Carlos (Edilson Manuel Olbera Núñez). © Piffl Medien

Carlos Acosta ist selbst immer wieder im Film zu sehen, die vielen Stationen seines Lebens werden von unterschiedlichen Darstellern gespielt, vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter. Im Zentrum stehen die jungen Jahre des Ausnahmetänzers bis zur Berufung an das Royal Opera House (ROH), meint das Royal Ballet in London, einer Bühne mit Weltruf und Welt-Niveau. Es folgten zahlreiche weitere Gastauftritte an den wichtigsten Häusern des Globus, die aber spielen im Film, der eher den Menschen Carlos Acosta, seine Familie, Havanna, Kuba und menschliche Geschicke beleuchtet, keine Rolle. Bis zur Weltkarriere war es für Carlos Acosta, der von seinem Vater Yuli genannt wird, ein langer und nicht gerader Weg. Carlos tritt dem Zuschauer als wildes, undiszipliniertes Kind gegenüber, das am liebsten auf den Straßen Havannas Fußball spielt oder aber Break-Dance tanzt oder Michael Jacksons super-stepps kopiert. Das passt nicht zu den Pliés, den Tendues, den Jetés, die man täglich üben muss, um zum Schluss Sprünge von enormer Kraft und Höhe zu vollbringen. Carlos Vater Pedro, Sohn einer Sklavin, die ihre Lebenszeit in den kubanischen Zuckerrohrplantagen verbringen musste, erkennt das außergewöhnliche Talent seines Sohnes, den er nach dem Sohn eines afrikanischen Kriegsgottes Yuli nennt. Mein Sohn kann tanzen. Gegen den Willen von Carlos Acosta schickt der Vater ihn auf die staatliche Ballettschule, in der auch in den heißen Monaten mit Strumpfhosen und in akademischer Tanzkleidung trainiert wird. Schon bei der ersten Musterung wird klar: Der kleine Carlos hat perfekt ausgedrehte Beine und einen sehr biegsamen Rücken, beides beste Voraussetzungen um klassisch zu tanzen. Beharrlich sorgt der Vater dafür, dass Yuli seine Ausbildung in Kuba fernab des Elternhauses beendet. Dann avanciert der Sohn zu einem der besten Tänzer seiner Generation, feiert internationale Erfolge und ist der erste dunkelhäutige Romeo am ROH in London.

 

Möchte nicht Balletttänzer werden: Carlos (Edilson Manuel Olbera Núñez) und sein Vater (Santiago Alfonso). © Piffl Medien
Möchte nicht Balletttänzer werden: Carlos (Edilson Manuel Olbera Núñez) und sein Vater (Santiago Alfonso). © Piffl Medien

Doch trotz des Ruhms zehrt das Heimweh an ihm, die Sehnsucht nach Freunden und Familie. Als er nach einer schweren Verletzung mit dem Tanzen pausieren muss, reist er in seine Heimat nach Kuba. Nach all den Jahren der Entbehrung und Einsamkeit gibt Yuli sich hier erstmals wieder dem Leben hin und setzt zeitgleich seine Karriere aufs Spiel. Er muss sich entscheiden ob seine eigene Liebe zum Tanz ausreicht, um den Weg weiterzugehen, den sein Vater ihm vorherbestimmt hat. Wer die Geschichte von Carlos Acosta bis heute verfolgt hat, weiß ja wie es weitergeht und auch, wo er seine große Liebe und die Mutter seiner Kinder gefunden hat. Das war nicht in Kuba. Auch wenn im Film immer wieder kolportiert wird, dass für Carlos Acosta das Ballett kein freiwillig bestimmter Lebensweg war, so weiß doch jeder, der ihn tanzen gesehen hat, dass er das Ballett liebt und das es seines eigenstes ist. Die Geschichten rund um sein Leben sind interessant, schöne Einblicke. Dazu gibt es modern und emotional geprägte Tanzszenen, lustige und traurige Momente aus dem Leben des Carlos Acosta. Die, die den Zuschauer zum Schmunzeln bringen, sind meist in der Kindheit angesiedelt – er war halt ein kleiner kubanischer Rebell. Der Film, einer der viel zu wenigen über das Ballett und seine Ausnahmentalente, startete am 17. Januar 2019 in den deutschen Kinos. Er ist überaus sehenswert.

 © Piffl Medien
© Piffl Medien

Daten und Fakten

Regie: Icíar Bollaín

Drehbuch: Paul Laverty

Darsteller: Carlos Enrique Almirante, Cesar Domínguez, Laura De la Uz, Andrea Doimeadiós, Carlos Acosta, Santiago Alfonso, Yerlín Pérez

Produzent: Andrea Calderwood,Juan Gordon

Musik: Alberto Iglesias

Kamera: Alex Catalán

Set Designer: Laia Colet

Schnitt: Nacho Ruiz Capillas

Produktion: Eurimages; Galápagos Media; Hijo de Ogún; Instituto Cubano del Arte e Industrias Cinematográficos (ICAIC); Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales (ICAA); Match Factory Productions; Morena Films; Movistar+; Potboiler Productions; Producciones de la 5ta Avenida

Weitere Informationen unter:https://yuli-der-film.de/