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Bunte Welt mit Schattenseiten: Christopher Winter bei Karl Oskar in Berlin

Besucht und erlebt von Gerhard Charles Rump

Ausstellungsansicht. Foto: (c) Gerhard Charles Rump, Christopher Winter und Karl Oskar Galerie, Berlin.
Ausstellungsansicht. Foto: (c) Gerhard Charles Rump, Christopher Winter und Karl Oskar Galerie, Berlin.

 

In Zeiten eines populistischen, konservativen Rollbacks ist es von besonderer Wichtigkeit, Positionen von Freiheit nicht nur im politischen, sondern auch im kulturellen und individuellen Bereich zu betonen. So etwas schafft der in Berlin lebende Künstler Christopher Winter, was seine derzeitige Ausstellung "Libertine Island" eindrucksvoll unter Beweis stellt.

 

Die Galerie Karl Oskar ist ziemlich neu in Berlin, aber der Galerist Peter Wilde hat schon früher viele Jahre lang eine Galerie in Berlin betrieben und unter anderem auch auf der Art Basel Hongkong ausgestellt. Winter hat sich das Thema "Inseln" ausgewählt, und damit ein Sehnsuchtskapitel aus dem Buch der kollektiven Erinnerung. Wie Amrita Dhillon in ihrem Einführungstext im Katalog betont, steht das ganze Spektrum unserer Vorstellungswelt von Inseln, romantisch bis bedrohlich, hinter diesen Entwurf.

 

 

 

In Bildern wie ‚Refuge Island‘, einem Großformat in Acryl, wird die Ambiguität deutlich, die Ereignisse in der Wirklichkeit besitzen: Eine hinter einer grossen Menge von Strandwaren aus Kunststoff fast völlig verborgene Figur läuft am Wasser entlang. Zweierlei wird heraufbeschworen: Einmal fröhlich unbeschwertes Strandtreiben, dass selbst nicht gezeigt wird. Zum anderen assoziiert man die unvorstellbare Menge von Plastikmüll im Meer. Aber es gibt da noch mehr. Der Titel des Bildes verweist auf das Flüchtlingsproblem, und Strandverkäufer sind ja häufig selbst Flüchtlinge. Die bunten Schlauchboote etwa, die die Figur auf dem Rücken trägt, dienen also auch als Symbol für die erstrebte Leichtigkeit der Existenz, die Flüchtlinge als Hoffnung im Herzen tragen.

 

Das libertinistische Element in Winters Kunst ist vorwiegend erotischer Natur und stellt, ohne voyeuristische Neigungen zu befriedigen, eine hedonistische Sexualität, einen vertieften Lebensgenuss in den Mittelpunkt der teils eigenwilligen, mehrteiligen Bildinstallationen.

 

Location:

Karl Oskar Galerie - Burgemeisterstrasse 4 - 12099 Berlin

 

Laufdauer der Ausstellung: bis zum 28. April 2019

www.karloskargallery.com

Courtesy und (c) aller Abbildungen: Christopher Winter, Karl Oskar Galerie, Berlin, und Gerhard Charles Rump.