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Bauhaus_1 ‚Anders Wohnen‘: Unser Jahr mit Mies & More

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‚Anders Wohnen‘, Installationsansicht Haus Lange, Mixed Reality, Foto: Dirk Rose.
‚Anders Wohnen‘, Installationsansicht Haus Lange, Mixed Reality, Foto: Dirk Rose.

2019 ist Bauhaus-Jahr. Hundert Jahre sind es her, dass Gropius das Bauhaus-Manifest in Worte kleidete und Feininger den Titel dieser Schrift mit einem Holzschnitt versah, der eines seiner Leitmotive, eine sehr dynamische Ansicht einer Kathedrale wiedergab. Es ist große Architekturgeschichte, die nun allerorts in Ausstellungen, Schauen und Auktionen gefeiert wird und entsprechend ihren Niederschlag in den Medien findet. Am tiefen Niederrhein, in der kunst- und kulturträchtigen Samt- und Seidenstadt Krefeld, ließen sich zwei befreundete Verseidag-Direktoren, das waren Dr. Josef Ester und Hermann Lange, in den Jahren von 1927 und 1930 benachbarte Wohnhäuser von Mies van der Rohe errichten. Mies und Lilly Reich gestalteten sie als Gesamtkunstwerke aus. Heute gehören Haus Ester und Haus Lange, Ikonen des Bauens im Stil der Weimarer Sachlichkeit, zu den Kunstmuseen der Stadt Krefeld. Mit den ineinandergeschobenen Quadern und den charakteristischen Flachdächern gingen beide Villen als Musterbeispiele der klassischen Moderne in die Architekturgeschichte ein. Sie entstanden etwa zur gleichen Zeit wie das viel bekanntere Haus Tugendhat in Brünn (Brno) und der weltberühmte Barcelona-Pavillon, ebenfalls nach Entwürfen von Mies van der Rohe gebaut. Verkleidet sind sie mit rotem Klinker, einer Fassadengestaltung, die typisch für den Niederrhein ist.

 

In den vergangenen zwei Jahren wurden beide Häuser umfassend saniert und sind nun wiedereröffnet, um ein umfangreiches Jahresprogramms zu starten. Das für seine Zeit visionäre, heute nur noch zu erahnende Wohnkonzept von Mies und Reich wird begleitet von einer Dokumentation aus Fotografien, Plänen und Modellen, die den Ursprung und Wandel beider Häuser in den letzten neunzig Jahren anschaulich machen. Parallel dazu gibt es die Sektion ‚Anders Wohnen‘, die ein Crossover aus Kunst, Design und Architektur diskutiert. Dafür strukturiert die Künstlergruppe ‚Raumlabor‘ das Haus Ester mit einer modularen Möblierung, bietet also Wohnqualität, die von Besuchern entsprechend erprobt und genutzt werden kann.

 

Eine Ausstellungsfolge, die am 5. Mai 2019 einsetzt, wird in drei Akte gegliedert. Akt 1 beschäftigt sich mit der ‚Utopie‘. Künstler, Designer und Architekten setzen im Haus Lange neue Wohnkonzepte um, entwickeln visionäre Ideen des Zusammenlebens, die frei von sozialen und materiellen Vorgaben sind. Ab dem 7. Juli werden die Gärten der beiden Mies-Villen unter dem Motto ‚Mobilität‘ gestaltet. Neue Installationen wird es geben. Die amerikanische Bildhauerin und Installationskünstlerin Andrea Zittel wird das ehemalige Gartenhaus der Familie Ester in ein Café verwandeln. Der dritte Akt thematisiert die ‚Dystopie‘ und beginnt am 15.9.2019. Das ist der Kontrapunkt zur Utopie, zu sehen in Haus Ester. Der Dialog zwischen Haus Lange und Haus Ester wird Träume und Albträume eines zukünftigen Zusammenlebens thematisieren. Und dann? Wie im Bauhaus üblich! Es wird ein grosses Fest geben zu Beginn des kommenden Jahres. Akteure, Künstler und Interessenten können hier zusammen kommen. Das ist der Epilog. Überschrieben mit dem Titel ‚Leben‘.

 

Screenshot aus der VR-Brille, Virtuelle Installation Haus Lange, Programmierung: cognitas.
Screenshot aus der VR-Brille, Virtuelle Installation Haus Lange, Programmierung: cognitas.

Mitwirkende sind namentlich: Banz & Bowinkel, BLESS, Franck Bragigand, Dunne & Raby, Didier Faustino, Michal Helfman, Tamara Henderson, Olaf Holzapfel, Christopher Kulendran Thomas, Laura Lima, Christodoulos Panayiotou, Raumlabor, Andreas Schmitten, Slavs and Tatars, Apolonija Šušteršič und Andrea Zittel.

Es kuratieren: Katia Baudin, Dr. Magdalena Holzhey, Dr. Sylvia Martin.

 

Weitere Informationen: www.kunstmuseenkrefeld.de