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Max Liebermann & Lesser Ury: Zwei Künstler und ihre Geschichten einer Stadt

Gerhard Charles Rump besucht die Villa von Max Liebermann am Wannsee

 

Lesser Ury, ‚Bahnhof Nollendorfplatz bei Nacht anagoria‘, 1925, Märkisches Museum Berlin. Als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.
Lesser Ury, ‚Bahnhof Nollendorfplatz bei Nacht anagoria‘, 1925, Märkisches Museum Berlin. Als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

Max Liebermann (1847-1935) war Berlin, weiland der Inbegriff von Grosstadt, stets willkommener Anlass zu grossartiger Malerei – ihn faszinierte die Idee der grünen Stadt, Parks und Wälder und immer wieder sein Garten am Wannsee. Aber auch für seinen Erzrivalen (und Intimfeind) Lesser Ury (1861-1931) war die Metropole Berlin die Hintergrundfolie, vor der das Theater des modernen Lebens in seiner Kunst zu malerischer Gestalt fand. Zwei Positionen, die einerseits unvereinbar waren, sich andererseits dennoch trefflich ergänzten. Das Museum Liebermann Villa vereint diese beiden Giganten des deutschen Impressionismus in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin nun in einer Ausstellung, deren grosses Verdienst es ist, vor allem die bedeutende Malerei des erfrischend hier-und-jetzigen Künstlers Lesser Ury herauszustellen. Liebermann ist der Malerfürst des Modernen, dennoch gesitteten und an die Überlieferung angebundenen Kunstwollens, Ury eher der am Momentanen und Transitorischen teilhabende Flaneur, der wahre Apologet der glitzernden Oberfläche. Jener urbanen Projektion also, die seit der industriellen Revolution die Wahrnehmungsstruktur der Menschen prägt.

Lesser Ury, ‚Hochbahnhof Bülowstraße‘, 1922. Als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.
Lesser Ury, ‚Hochbahnhof Bülowstraße‘, 1922. Als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

War früher das Land der Lebensort und die ferne Stadt der Platz, zu dem man hinfuhr, verkehrte sich dieses in die Stadt als Lebensumfeld, von dem aus man zu Erholungszwecken auf das Land fuhr. Liebermann versuchte in seinem ästhetischen Streben diese Gegensätze aufzuheben, Ury nahm die ästhetische Herausforderung Grossstadt an, die wenig später bei Umberto Boccioni lärmend ins Haus drang. War Liebemann eher verwandt mit Monet, grüssen sich Lesser Ury und John Atkinson Grimshaw historisch. Ury zeigt dabei, etwa in seinem Porträt des Nollendorfplatzes bei Nacht (1925), freimalerische Abbreviaturen autonomen, das Abbildliche transzendierenden Charakters. Entsprechende Formen und ästhetische Markierungen finden sich auch zuhauf in seinen grafischen Arbeiten, die das Bild der Schau willkommen abrunden.

Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France, La villa de Max Liebermann (Wannsee, Berlin) (6335933400), CC BY 2.0.
Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France, La villa de Max Liebermann (Wannsee, Berlin) (6335933400), CC BY 2.0.

Ausstellung: Max Liebermann und Lesser Ury. Zweimal Grossstadt Berlin.

Ort: Liebermann Villa am Wannsee, Colomierstrasse 3, 14109 Berlin, bis 26. August 2019.

Weitere Informationen unter: http://www.liebermann-villa.de/ausstellungen.html